CD Projekt RED: CD Projekt Red äußert sich zu Lootboxen

geschrieben von foobar am 16.02.2018, 00:30 Uhr

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EA hat sich mit dem jüngsten Versuch, den Spielern noch mehr Geld aus der Tasche zu leiern, indem sie selbst das Vollpreisspiel Battlefront 2 mit Pay-To-Play-Elementen versahen, bei denen man für gewisse Inhalte de-facto zusätzlich bezahlen musste, um sie nutzen zu können, reichlich unbeliebt gemacht.

Es hat den Anschein, als würde man sogar aktiv Projekte einstampfen, die sich nicht auf diese Weise monetarisieren lassen. Die kürzliche Schließung des Dead Space Entwicklers Visceral, der an einem Singleplayer-Spiel im Star Wars Universum arbeitete, wurde beispielsweise im offiziellen Firmenblog u.a. wie folgt begründet: "Während des Entwicklungsprozesses haben wir [...] grundlegende Veränderungen im Markt beobachtet. Es ist klar geworden, dass wir das Design verändern müssen, um ein Erlebnis zu liefern, zu dem Spieler zurückkehren und es für eine lange Zeit genießen können."
Eindeutig ist das natürlich nicht, aber wer sich ein wenig mit der bei Konzernen praktizierten PR-Codesprache auskennt, kann da durchaus heraus lesen, dass man sein Geld lieber in Onlinespiele investiert, bei denen sich mit Lootboxen und ähnlichen Tricks zusätzliche Einnahmen generieren lassen.

Nun hat sich Marcin Iwiński gegenüber PC Gamer dazu geäußert, wie man bei den Polen denn zu diesem aktuellen Trend in der Branche stehe. Der CDPR-Mitbegründer stellte klar, dass Ingame-Transaktionen in der Art von Lootboxen aus seiner Sicht nur dann legitim sind, wenn das Spiel selbst dafür kostenlos sei. Wer hingegen den üblichen Vollpreis für ein Spiel bezahle, der habe auch Anspruch darauf, ein großes, gut poliertes Stück Inhalt mit vielen Stunden Spielspaß zu erhalten. Was "viele" genau heiße, hinge vom jeweiligen Spiel ab, aber es seien bisher immer mindestens 50 bis 60 Stunden für die Hauptgeschichte gewesen, mit einigen weiteren Hundert für optionale Nebenaktivitäten. Dies halte er für ein faires Geschäft und man habe sich bisher immer bemüht, im Zweifel lieber zu viel als zu wenig Inhalt auszuliefern. Es gäbe keine bessere Werbung als einen glücklichen Spieler, der den Titel seinen Freunden empfiehlt.

Zusätzlichen bezahlten Inhalt nenne man bei CDPR "Erweiterungen" und nicht "DLCs". Bei diesen orientiere man sich an den Add-ons aus der Baldur's Gate Ära. Davon habe es beim dritten Witcher beispielsweise 2 Stück gegeben, und jede habe viele weitere Stunden an gehaltvollem neuen Inhalt und Gameplay hinzugefügt. DLCs seien für das polnische Studio kleine Inhaltspakete, die stets kostenlos verteilt würden.

Iwiński kritisiert außerdem die Entscheidungspraxis hinter EAs Firmenphilosopie. Während Dinge häufig toll aussehen, wenn man sie nur der Perspektive von Tabellen und Bilanzen betrachte, vernachlässigten die Entscheider die Frage, wie Spieler auf eine Maßnahme reagieren würden oder ob es sich um ein faires Geschäft handele. Er hoffe, dass die Revolte der Spieler die Industrie zum Besseren wenden werde.

Auch wenn Iwiński keine direkte Aussage dazu macht, ob es sich bei den angekündigten Onlineelementen für Cyberpunk 2077 denn (auch) um Lootboxen handeln könnte, so stimmt das Interview doch vorsichtig optimistisch. Selbst wenn man CDPR eine ähnlich toxische Einstellung dem Kunden gegenüber unterstellt, wie sie EA wieder und wieder demonstriert (wofür es keine Anhaltspunkte gibt, aber man kann es ja mal annehmen), so sind Lootboxen aktuell ein sehr heißes Eisen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass irgendwer in der Branche, geschweige denn CDPR, sich in den nächsten ein bis zwei Jahren daran die Finger verbrennen will. Mit Battlefront 2 hat EA überreizt, aber das heißt nicht, dass man es nicht wieder probieren wird. Ein neuer Ansatz der Branche könnte darin bestehen, per Salamitaktik die Schmerzgrenze der Spieler langsam und vorsichtig, über den Verlauf von mehreren Spielen hinweg, immer weiter zu verschieben. Bis das mehrfache Bezahlen schließlich so alltäglich ist, dass niemand mehr darüber nachdenkt. Ähnlich, wie man es bei der Einführung von DRM erfolgreich praktiziert hat. Da sich CDPR aber auch dem DRM widersetzt und finanziell nicht darunter gelitten hat, stehen die Chancen recht gut, dass zumindest Cyberpunk 2077 frei von solch kontroversen Mechaniken sein wird.

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